| Artikel und Grussworte |

 

Plädoyer für Fischers Ideen - ja zu Chess960
„Tatort Mainz“ – die fieberhafte Suche nach Sport, Spiel, Spannung, ...

von Hans - Walter Schmitt

 

Situationsbericht CCM2 "Duell der Weltmeister"

“Experten spielen für Experten”, mit affenartiger Geschwindigkeit rasseln die beiden Weltmeister Ponomarjow und Anand die 21 Eröffnungszüge der Najdorfvariante in der sizilianischen Verteidigung herunter. Der Nettoverbrauch an Zeit ist auf der einen Seite 16 und auf der anderen Seite 21 Sekunden – ein Zuschauer im Turniersaal stöhnt protestierend auf: “Der Veranstalter müßte dafür sorgen, dass die beiden am Anfang langsamer spielen – man hat ja überhaupt kein Genuss”. Trotz der großmeisterlichen Kommentare von Jussupow und Lobron via Kopfhörer, trotz der vier mal fünf Meter großen Videowände wie im Kino, trotz der direkt sichtbaren Akteure auf der Bühne versteht der bequem im Stuhl sitzende Schachnormalverbraucher nur Bahnhof.

Erst als sich das Tempo des Partiefortgangs auf der Bühne veringert, weil die Akteure sichtbar für alle anfangen nachzudenken, unruhig auf den Stühlen hin- und herrutschend, den Kopf in die Hände stützend Emotionen zeigen und die Kommentatoren nun verständlicher werden; jetzt endlich beginnt das Begreifen, das Verstehen, die Spannung, mitfiebernd kommt das Bedürfniss auf, sich dem Nachbarn oder Freund mitzuteilen – leider noch beim Schach verboten! Die Züge vorausahnend stellt sich eine hohe Befriedigung ein, parteiergreifend entstehen jetzt Gefühle des Geniessens, der Freude oder des Leidens je nach Spielverlauf oder persönlicher Orientierung, alle Sinne sind voll im Einsatz – sehen, hören, riechen, fühlen, sogar schmecken im Sinnbildlichen, – knisternde Spannung, respekvolle Bewunderung mit wohltuendem Verstehen gepaart setzt jede Menge Adrenalin frei –, Schach erleben im Paradies der atemberaubenden Kombinationen und der abertausenden Möglichkeiten. Wohlbefinden wie in einem schönen Traum, Erleben wie in Trance bis ein langgezogenes eindringliches, ja sogar mahnendes “Psssssscht” des Schiedsrichters einen von diesem Tripp jäh zurückholt. Bei Anands doppeltem Springeropfer in der achten Partie war das erste Raunen absolut nicht störend, das lauterere Aufstöhnen beim nächsten Opfer inspirierend und nicht wenige die Anand mögen oder um Ponomarjow Angst hatten, bekamen feuchte Hände und zitterten noch nach der Partie wie Espenlaub. Staunend, bewundernd, die Richtigkeit der Opfer hinterfragend - Schacherlebniswelt “Tatort Mainz”.

Warum soll es den Zuschauern nicht vergönnt sein, dem Geschehen auf der Bühne emotional zu folgen, sich mit dem Nachbarn auszutauschen, sich zu umarmen, sich laut zu freuen, zu applaudieren, zu schimpfen, zu zetern oder gar leise zu weinen? Warum muß das Schachspiel so ernst, so nüchtern, so wissenschaftlich, so steril und deshalb so zuschauerunfreundlich sein – kann es nicht einfach ein spannendes Spiel mit großem Unterhaltungswert sein und dies nicht nur für ein paar handverlesene Experten, sondern für ein Millionenpublikum von begeisterten Schachliebhabern?

Das Chess960 (Fischer Random Chess) würde hier eine natürliche Langsamkeit der ersten Partiephase bringen und die Zuschauer vielleicht noch mehr in seinen Bann ziehen und Genuss bieten. Kann man auch den Spielern Anand und Ponomarjow zumuten mit Kopfhörern zu spielen, damit sie von der Unterhaltung der Zuschauer im Saal nicht gestört werden - oder sollten die Spieler, wie beim WM-Kampf 1995 in New York zwischen Anand und Kasparow in eine schalldichte Kabine gesetzt werden. Sollte der Veranstalter den Zuschauern die Computerbewertung nebst Variantenvorschlägen an der großen Videowand zeigen, damit sie sich neben den Kommentaren selbständig ein Urteil bilden können über die brennenden Fragen in der Partie: "Wie steht's, wer gewinnt?" Der Service für die Live-Zuschauer im Saal ist bestimmt noch nicht ausgereizt, während der quasi Live-Zuschauer im Internet diesbezüglich schon mehr erfährt, aber auf den Genuss der Atmosphäre im Spielsaal verzichten muss.

Subjektive Beobachtungen und Erfahrungen nach 30 Jahren Schach

Warum verlassen so viele der begeisterten Schachspieler nach erfolgreichem Abschluß der Berufsausbildung, bzw. Studiums oder bei Gründung einer eigenen Familie die Schachspielergemeinschaft? Warum erlischt in diesem Lebensabschnitt scheinbar so abrupt das Interesse am eigenen Spiel und auch am öffentlichen weltweiten Geschehen dieser Sportart? Haben die für den Schachsport Verantwortlichen keine Angebote für "Wenigzeitinhaber". Warum basieren die Rating- und Wertungssysteme nur auf den langsam gespielten Partien, mindesten vier und maximal sieben Stunden lang? Jede Menge existentieller Fragen.

Grundsätzlich ist es eine Überlegung wert, um Ursache und Wirkung im Bezug auf diese Fragen zu stellen, keine Regel ohne Ausnahme, generell geht es hier nicht um eine auf alles und jedes zutreffende These zu finden, sondern um Erfahrungen, Feststellungen und Tendenzen zum Wohle des Schachs zu nutzen. Im Naturell der Entwicklung eines Menschen ist es logisch, dass er sich mit anderen spielend körperlich und geistig misst. Kann man als Kind, Schüler, Jugendlicher, Gymnasiast oder Student noch genügend Zeit investieren um seinem Hobby und Leidenschaft Schach zu fröhnen, so wird es nach dem Eintritt in das Berufsleben, meistens sogar kombiniert mit der Gründung einer Familie immer schwieriger genügend Zeit aufzubringen, um mit den "Vielzeitinhabern" mitzuhalten und sich dabei zufrieden zu fühlen. Als beruflich und familär erfolgreicher Mensch wird der einzelne Schachspieler dann auch von den immer höher werdenden eigenen Ansprüchen angetrieben, diese nicht nur im Leben, sondern auch vielleicht auf dem Schachbrett zu zeigen und dies möglichst mit hoher Wertungszahl. Die Ratingpunktskala liegt zwischen 700 für Anfänger und bei 2830 für Garry Kasparow, die Nr.1 der aktuellen Weltrangliste. Irgendwo dazwischen gilt es als Spieler seinen Platz zu finden, möglichst mit optimal hoher Zahl und am besten noch neben dem nationalen DWZ-System im internationalen Elo-System, welches erst bei 2000 anfängt!

In diesem Zusammenhang findet jeder schnell heraus, dass man mit natürlichem Talent, Inspiration und Kreativität, Rechenleistung: Präzesion gepaart mit Geschwindigkeit, nicht mehr so richtig weiter kommt und die Zeitfalle beginnt zuzuschnappen. Die Eröffnungstheorie wird zum Mass aller Dinge und zum Quell des möglichen Weiterkommens. Das Studium der aktuellen Theorie mittels Datenbanken, Eröffnungsbüchern und Lehrvideos im autodidaktischen Verfahren verschlingt immer mehr an Zeit und verdoppelt sich oft pro Partie. Kommt dann noch die spezielle Vor- und Nachbereitung auf bekannte Gegner dazu, kann das zur Verdreifachung führen, sofern man Erfolg mit der Chance auf eine höherer Wertungszahl haben will. Basierend auf der Tatsache, dass Eröffnungsbibliotheken immer größer werden, gelingt es Profis wie Amateuren manche Partie erfolgreich zu gestalten ohne einen eigenen Zug gemacht zu haben. Die bekannte Eröffnungstheorie der Partie wird aus dem Gedächtnisspeicher abgerufen und an gewissen Stellen mit Wissen aus der eigenen Computerpreparation angereichert, eine wahrlich imponierende Leistung des Gehirns! Die entscheidende Frage für "Wenigzeitinhaber" ist, lohnt sich der Aufwand, um den "Vielzeitinhabern" Paroli zu bieten. Die Gruppe der "Vielzeitinhaber" wird momentan immer größer, neben den normalen Rentnern und Pensionären und den immer länger studierenden Erwachsenen kommen noch die Menschen dazu, die sich vom Arbeitsmarkt benachteiligt wissen - und das alles bei höherer Lebenserwartung.

Was passiert in dieser Situation nun mit den Schachspielern, die durch Gründung einer Familie oder durch Eintritt in das intensive Berufsleben ihre zur Verfügung stehende Zeitkontingente anders aufteilen müssen? Sie hören auf mit dem Schachspielen, weil sie hier mit einer einzigen Einschränkung ein riesiges Zeitvolumen für die anderen Anfordernisse des Lebens gewinnen. Darüberhinaus ist es für sie auch nicht imagefördernd, ja sogar psychologisch unakzeptabel sich in ihrem liebsten Hobby nicht erfolgreich zu zeigen. Sie werden meist von den "Vielzeitinhabern" regelrecht vorgeführt, nur weil diese die Zeit haben weiterhin immer und immer noch mehr Theorie zu büffeln. Ihresgleichen finden sie dann in der heutigen Vereinsstruktur nicht mehr vor. Das organisierte Schach, insbesondere das Vereinsschach hat generell kein Angebot für gesellschaftspolitisch erfolgreiche "Wenigzeitinhaber".

Deshalb sollte die Spezialisierung auf das langsame theorieüberladene Schach durch kurzweiligere und mehr Basisschachwissen orientiertere Angebote ergänzt werden. Die von Fischer propagierte Variante Chess960 mit der Auslosung der Figurenaufstellung unmittelbar vor der Partie kann den Einfluss der Eröffnungstheorie mindern und damit die Komponenten Kreativität, Basisschachwissen und Improvisationskraft, durch die sich oft "Wenigzeitinhaber" auszeichnen, mehr in den Vordergrund stellen. Für diese Gruppe kann das Schachspielen damit wieder attraktiver werden. Nimmt man die Möglichkeit noch dazu, durch Aufnahme der Disziplinen "schnell" und "blitz" additiv seine Wertungszahl zu verbessern, wird die Zufriedenheit weiter ansteigen. Wenn dann zusätzlich klar wird, dass diese beruflich erfolgreiche Gruppe an den Schalthebeln der Marketing- und Sponsoringbudget sitzen und obendrein auch als Spender, Gönner und Mäzene für die edelste der geistigen Freizeitaktivitäten in Frage kommt, erscheinen die Angebote für "Wenigzeitinhaber" mit Chess960 und kürzeren Bedenkzeiten in einem ganz anderen Licht. Generell fördert Schach nicht nur die Persönlichkeitbildung bei Kindern und Jugendlichen, sonderen nachgewiesener Weise auch die geistige Fitness im Alter. Zusätzlich kämen jetzt die "Wenigzeitinhaber" der mittleren Alterschichten mit zusätzlichen Ressourcen im Bereich Erfahrung, Kreativität, Eloquenz, Finanzen und Lobbyismus dazu.

Organisatorische und mentale Blockaden

Das Aufheben von gedanklichen und praktischen Blockaden findet meistens durch die in-tensive Beschäftigung mit einer unbefriedigenden Situation oder gar in höchster Existenzgefahr statt. Systematisches Denken und Handeln von der Analyse des Status Quo bis hin zur Realisierung von "der" Vision scheitern oft im Anfangsstadium an dem subjektiven Eindruck der Überforderung, der Bequemlichkeit, der Besitzstandswahrung und der Reformfeindlichkeit. Oft sind diese Eigenschaften die bittersten Gegner in der Auseinandersetzung mit Innovation, Prosperation, Marktorientierung, Kundenfreundlichkeit und Langfriststrategie, allerdings wohlgetarnt unter der Verpflichtung zur Tradition und Glaubwürdigkeit.

Das Schachspiel muss sich in einem ständigen Prozess den sich verändernden Anforderungen anpassen ohne das Charakteristische, den Charme, das Faszinierende oder gar das Essentielle am typischen Spiel zu verlieren! Exakt dieses muß sich auch spiegelgleich in den zuständigen Organisationen und den Köpfen der dafür Verantwortlichen abspielen. Das Fehlen von Marketingleuten, tüchtig und solide arbeitender Manager, schachlicher Visionäre und strategisch langfristig ausgerichteter Investoren können doch nicht wirklich die einzigen Gründe sein für den Abschwung der Bedeutung von Schach in der globalisierten Weltgemeinschaft. Oft beschleicht einen das seltsame Gefühl, dass dieses Beharren in der schachsportlichen Isolation, ja die rückwärtsgewandte Sehnsucht nach “alt und vertraut”, die generelle Verkleinerung des Marktes, – vom Weltverband bis in den kleinsten Verein -, nicht nur Schicksal oder Zufall ist, sondern auch Methode hat.

Die Tatsache, dass die Funktionäre sich hauptsächlich aus dem Kreise der ehemaligen Schachspieler rekrutieren und einen meist unverdient schlechten Ruf in den Augen ihrer Kollegen haben, verleitet sie oft zur verwaltungsorientierten Organisation ohne kreatives Engagement, Effizenz und Esprit. Stellen Sie sich doch einmal vor, mit welchen Widerstand ein Chess960 Befürworter rechnen müßte, wenn er erstmals mit dieser Idee seine Kollegen Spieler oder Organisatoren überzeugen will. Meist würde dies ohne Diskussion aus Bequemlichkeit oder mangelnder Kompetenz abgeschmettert, genau wie bei Turnierdurchführungen, Aktivitäten in den Ganztagsschulen oder vereinsinterner Einsätze von Trainern. Beim Chess960 kommt eines noch dazu: die Situation wäre absolut neu und am Anfang unbekannt. Die theoretischen Argumente und deren spätere praktische Wirkung würden nicht für jeden gleich transparent, sondern erst viel später bei der praktischen Ausführung. Deshalb gilt es für die Chess960 Befürworter erst einmal die organisatorischen, dann die technischen und zuletzt die mentalen Blockaden beim normalen Schachkonsumenten zu lösen. So wie es die ehemals führenden Schachweltmeister Botwinnik und Smyslow strikt ablehnten Schnell- und Blitzschach die Anerkennung zu geben, die es eigentlich nach Meinung des breiten Schachpublikums als Kundschaft verdient, wären Reformen mit den Weltmeistern Tal, Fischer oder Kasparow vielleicht damals schon möglich gewesen.

Die praktische Anwendung und das Vorzeigen einer Idee ist ein sehr effektiver Weg Blockaden zu lösen. Mit dem Wettkampf Peter Leko (Nr.7 der Weltrangliste) gegen Michael Adams (Nr.4) und dem Prominententurnier im Jahr 2001 sowie dem ersten bedeutenden Chess960 Open in Mainz mit 34 Großmeistern bei insgesamt 56 Titelträgern und 131 Teilnehmern im Jahr 2002 wurde der Nachweis geführt, dass die Idee Fischers verwirklicht werden kann und sogar große Freude und Begeisterung für diese Spielweise bei Schachfreunden aufkommt, allerdings von der Mehrheit der Schachkommune noch sehr skeptisch betrachtet wird. Im Jahr 2003 findet auf der Bühne der Rheingoldhalle ein weiterer Schritt in Richtung Popularisierung und Verständigung statt - parallel spielen Anand gegen Polgar normales Schnellschach und Leko gegen Swidler Chess960 Schnellschach. Die Zuschauer, die Journalisten und damit auch die Sponsoren werden sich selbst ein vergleichendes Urteil über die Präsentation der Weltklasseduelle bilden können.

Die regelbedingte technische Barriere

Eine glänzende Idee, ein komplettes Konzept, eine akribisch arbeitende Organisation, und eine fantastische Zukunftsperspektive reichen oft nicht aus, um eine Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Bei Fischer Random Chess oder Chess960 wird vor Beginn einer Partie die Aufstellung der Figuren auf der Grundreihe durch Auslosen ermittelt, wobei nur folgende Regeln einzuhalten sind:

1. der König muß immer zwischen den beiden Türmen stehen,
2. die Läufer müssen auf unterschiedlich farbigen Feldern stehen,
3. und die weissen und schwarzen Steine sind spiegelgleich angeordnet.

Alles andere, wie die technische Ausstattung, Figuren und Brett, die Gangart und Wertigkeit der Figuren, Notation und Bedenkzeit sind wie beim uns bekannten Schach gleich. Selbst nach der Ausführung der Rochade ist die Position von König und Turm identisch der gewohnten im Schach, allerdings gibt es 84 unterschiedliche Ausgangspositionen. Hier sieht man also den Haupteffekt und die Dynamik der von Fischer erfundenen Regel beim Rochieren, es ist der signifikante Unterschied zum älteren “Shuffle Chess”, wo rochieren nicht erlaubt war und die Grundaufstellung die Regel 1 nicht beinhaltete. Im “Shuffle Chess” gibt es genau 2880 verschiedene Anfangsstellungen und beim Fischer-Schach nur genau ein Drittel davon, also 960. Daraus abgeleitet haben wir, durch weltweite Befragung der an Schach Interessierten untermauert, den Namen Chess960 eingeführt. Abgekürzt soll es einfach 960 (nine sixty) genannt werden und im weiteren Fortgang der Entwicklung wird es sicher nur noch Chess oder Schach heissen. Die befragten Großmeisterkollegen wollten kein Spiel ausführen, dass den Namen eines lebenden Kollegen trägt und außer der Rochadeinnovation nichts Orginäres mit Fischers Idee gemein hat.

Von Fischer kam vorher auch schon die Idee mit der additiven Zeitzugabe pro ausgeführtem Zug, dessen Realisierung die technische Übertragung in Zeitnotphasen sicherer machte und das Fairplay der Schachspieler beim Beenden einer Partie signifikant erhöhte. Durch den Einsatz der speziell von DGT entwickelten Uhr war es jetzt nicht mehr möglich den Gegner bei verlorener Stellung über die Zeit zu heben.

Folgende Punkte waren im Jahr 2001 als technische Barriere ungelöst und konnten nur sukzessive durch die Interessengemeinschaft Chess960 bis heute gelöst werden:

a. die Auslosung muß neutral, sichtbar und unbestechlich ausgeführt werden können,
b. die Übertragung vom Spielbrett auf die Videowände muß online möglich sein,
c. die Übertragung ins Internet muß online funktionieren,
d. die Darstellung von Notation und speziell der Rochade muß funktionieren und später reproduzierbar sein,
e. das Bewerten der Stellungen während der Partie und später beim Nachspielen und Analysieren der Partien sollte möglich sein,
f. das Archivieren und Kommentieren der kompletten Partien sollte möglich sein, dabei sollte auch sichergestellt sein, dass alle Notations- und Diagrammschnittstellen zu den einschlägigen Printmedien gewohnt einfach zu bedienen sind.

Die technische Blockade, teilweise bedingt durch das Zögern der etablierten und kommerzorientierten Schach-Software Firmen strebt mittlerweile einer vollständigen Aufhebung entgegen. Bis zum April 2003 gab es noch kein einziges Schachprogramm, das die Chess960 Rochaderegeln ausführen und sie auch in der internen Stellungsbewertung richtig anwenden konnte. Fast ein Jahr brauchten die Ideen der Frankfurt Chess Tigers, DGT und die FreewareGUI Arena, um einige der 280 weltweiten Schachprogrammentwickler, meist Amateure, von der Chess960 Idee zu überzeugen. Im Juni 2003 kamen mit Betsy (Elo 2200), Chispa (Elo 2350) und The Baron (Elo 2500) gleich drei Programme mit der Implementierung der Chess960 Regeln auf den Markt und eines der führenden Schachprogramme auf der Welt "Deep Sjeng" (Elo >2600) wird noch im Juni folgen. Mit der Verfügbarkeit von schachspielenden "Engines" ist die Hoffnung verbunden, dass auch das Archivieren der Partien, sprich Datenbanken, nur noch eine Frage der Zeit ist.

Vielfalt statt Einfalt - Netze statt Hierarchien

Das Pentagon der demokratischen Machtstrukturen sollte wieder wirken: Spieler, Zuschauer, Medien, Organisatoren und Sponsoren auf einer Augenhöhe – regional, national und international – je schneller desto besser! Sollte dies nicht mit dem Weg durch die Instanzen möglich sein, was vielerseits befürchtet wird, muß einfach Wettbewerb einsetzen und ein moderner Weltverband für Chess960 gegründet werden, wie etwa die WNCA = World New Chess Association. Wobei ja schachtechnisch nichts verloren ginge, denn die Position 960-1 ist uns allen wohlbekannt und die Anfangspositionen 960-2 bis 960-960 kämen hinzu – Vielfalt statt Einfalt - Netze statt Hierarchien!

Konnte man die bisherige Anfangsstellung des Schachspiels in die Gruppe der hierarchischen Systeme einorden. Ebenfalls die Organisation der ganzen Schachumgebung mit ihren wenig kontinuierlich und strategisch langfristig planenden Gremien, bzw. der Qualifikationssysteme für Weltmeisterschaften. Die Chess960 Idee fördert nicht nur die netzwerkartige Wirkung durch die 960 Anfangsstellungen, sondern auch die netzwerkartige Organisationsstruktur ohne den Einfluss von Nationen, Kontinenten oder sonstigen Blöcken. Die Vielfalt von Chess960 soll auch nicht durch die gleichberechtigt nebeneinander stehenden Hauptdisziplinen “normal”, “schnell” und “blitz” eingeschränkt werden, sondern die Disziplinen “bullet”, "slow" “advance”, “computer”, “correspondence”, “problem”, “tandem”, “consulting”, “handicap”, etc. sollten durchaus ordentlich gepflegt werden. Jeder Chess960 Spieler sollte die Möglichkeit haben nach seinen schachlichen Bedürfnissen glücklich zu werden ohne den Vorwurf der Chess960 Gemeinde zu spüren, dass nur die Disziplin "slow" das einzig wahre Schach ist.

Chess960 Disziplinen und das Ratingsystem

Neben der Vielfältigkeit der Turniere sollte auch in der Disziplinvielfalt eine dreiteilig, gleichberechtigt nebeneinander stehende Architektur gestaltet werden, wobei die Hauptkategorien normal, schnell und blitz eine “global verbindliche”, qualitäts- und technikfreundlich Zeitkontrolle bekommen soll. Grundsätzlich sollen aber andere Be-denkzeiten nicht ausgeschlossen, sondern erstmal großzügig in die Disziplinen eingeordnet werden. Einheitlich in allen Bedenkzeitregelungen sollte die Form sein: Grundbedenkzeit (Angabe in Minuten) und zusätzlicher Zeit pro ausgeführtem Zug (Angabe in Sekunden), die Ära der “Ausdrücker” und “Gambler” sollten im ernsthaft betriebenem Schachsport keine Berücksichtigung mehr finden. Die Disziplinen "langsam" und "bullet" sind zur Ergänzung auch definiert worden, fliessen aber in das "All over All" (AoA) Ratingsystem vorerst nicht ein.

Die standardisierten Zeitmodelle, die in die Vorschlagliste aufgenommen wurden sind in den Bereichen "normal, schnell und blitz" alle gültig und können für die Wertungssysteme angewendet werden, wobei angestrebt wird, die Kernspielzeiten für normal (60/30), schnell (20/5) und blitz (4/2) eindeutig zu priorisieren aus Gründen der Gewöhnung und des Rhythmusgefühls bei Spielern und Zuschauern. Bei der folgenden Aufstellung bedeuten die angegebenen Zahlen, zum Beispiel 60/30, dass man am Anfang der Partie 60 Minuten Bedenkzeit bekommt und mit jedem Zug 30 Sekunden additiv dazu erhält.

langsam normal schnell blitz bullet
120/120 90/30 25/10 5/5 3/0

120/90
60/60 20/10 5/3 2/0
120/60 60/30 20/5 4/2 2/1
90/90 30/60 15/5 3/2 1/1
90/60 30/30 10/5 3/1 1/0

Die Bedeutung des Ratingsystems

Die Chess960 Turnierformen "Runden", "Doppel- und Mehrrunden", "KO-System", "Open" und "Zweikampf" sollen unter gleichen Bedingungen in die Spielstärkebewertung des einzelnen Spielers eingehen, allerdings unterschieden durch Partien zu offiziellen Welt-, Kontinental- und Landesmeisterschaften und deren Qualifikationen.

Um der Bedeutung einer offiziellen Partie im Kampf um die höchste Meisterschaft in Turnieren oder Wettkämpfen gerecht zu werden, soll die Wirkung auf das Ratingsystem mit dem Faktor 2 angesetzt werden. Deutlich soll dabei der Unterschied werden zu x-beliebigen Openpartien oder Partien um Klubmeisterschaften oder sogenannten eigens dafür eingerichtete "Normen"-Turniere. Die große Bedeutung des Ratingsystems für die meisten Schachspieler lässt nur eine Verfahrensweise wirklich zu, die exakt, fair, transparent, einheitlich und verbindlich ist, um die Spielstärke der gerateten Teilnehmer zu ermitteln und die obendrein das misst, was sie vorgibt zu messen: die Spielstärke eines Spielers. Bei dem neuen Ratingsystem des Chess960 würde berücksichtigt, dass nicht nur die Disziplin "über vier Stunden Spielzeit = klassische Bedenkzeit, längstens 7 Stunden, kann aber auch weniger sein mit 4½, 5, 5½ oder 6 Stunden", in die Wertung eingeht, sondern neben "normal" auch die Disziplinen "schnell" und "blitz". In der "All over All (AoA)" Ratingzahl des Chess960 Modells werden die Turniere methodisch gleich aus-gewertet, aber die drei Disziplinen mit unterschiedlichen Faktoren eingehen: normal = 1, schnell = 0,25 und blitz = 0,05. Die wichtigen Turniere mit ihren offiziellen Partien gin-gen also mit den Faktoren multipliziert mit 2 ein: normal = 2, schnell = 0,5 und blitz = 0,1. Es ist leicht verständlich, dass man den Lesern, den Zuschauern, den Sponsoren, den Organisatoren und den Teilnehmern alle drei Monate nur "eine" neue Ratingzahl eines Spielers (Weltrangliste) in der "AoA"-Zahl zusammenfassend präsentiert, um sie nicht mit grossem Zahlenwust oder -wirrwarr zu verunsichern, aber es ist nicht zielführend, wenn man nur das "langsame" Schach in die Bemessungsgrundlage einbezieht und somit die anderen Disziplinen diskriminiert. Natürlich wäre es jederzeit möglich den Experten oder Insidern die Disziplin-Zahl zu zeigen, sie ist ein Baustein aus dem "AoA"-System. Das Ratingsystem Chess960, wenn nötig und gewünscht, kann auch in den drei Diszipli-nen gleichberechtigte Weltranglisten für alle Spieler der Welt einheitlich führen. Nationale oder regionale “Untersysteme” wie INGO, DWZ, TWZ, NWZ und N-Elo sollten möglichst nicht entstehen und wenn, auf keinen Fall miteinander konkurrieren - es soll einfach zu verstehen sein! Desto höher die Zahl, desto besser die Weltranglistenposition und der Erfolg des Spielers.

Der "Passivitätsfaktor" ist ein weiteres Kriterium, das in die Spielstärkebewertung eines Spielers und damit in die Position der Weltrangliste einfliessen soll. Eine Mindestaktivität pro Jahr wurde definiert, um allzu große Passivität ohne Grund zu verhindern. Sollten diese Vorgaben unterschritten werden, wird ein Malus eingeführt, der am Ende eines jeden Jahres zur Anrechnung kommt. Damit soll grundsätzlich verhindert werden, dass die Weltrangliste ein verzerrtes Bild der aktuellen Spielstärken wiedergibt und Spieler oben bleiben können ohne ein Minimum an Partien als Leistungsnachweis im Jahr zu spielen. Analog zu den Bewertungsfaktoren im Ratingsystem wurden hier 20 Normal- oder 80 Schell- oder 400 Blitzpartien zu Grunde gelegt oder ein gewichteter Mix derselben, um den Abzug von Punkten zu vermeiden. Mit gerateten 15 Normal- und 20 Schnell- oder 10 Normal-, 20 Schnell- und 100 Blitzpartien wäre das Soll erfüllt. Bei Unterschreitung der Mindestanforderung, würde in Höhe der Nichterfüllung Punkte abgezogen - Bandbreite min. 1 Punkt bis max. 20 Punkte per Anno. Die heutige Weltrangliste hat den riesigen Nachteil, dass der einzelne Spieler ohne zu spielen eine zu lange Zeit oben bleiben kann oder quasi der ausscheidende Spieler zu lange in der Liste geführt wird. Als wichtigstes Kriterium für die Weltrangliste soll neben der Leistung auf jeden Fall die “spielenden” Spieler belohnt werden.

Die Startup Phase des neuen Ratingsystems

Eine grundsätzliche Frage stellt sich bei der Neueinführung des Chess960 Rating-Systems: Wie kommen die Teilnehmer von Chess960 Turnieren schnellstmöglich zu einer Ratingzahl? Es gibt dazu vier Quellen, die plausible und gesicherte Daten liefern können. 1. die Zahlen aus den bestehenden Elo- oder DWZ-Systemen werden für den Eintritt in das Chess960 Ratingsystem für die erste Auswertung zu Grunde gelegt - die Normalaufstellung ist ja auch eine Untermenge der 960 Stellungen! 2. die vorhandenen Daten von bereits gespielten Chess960 Turnieren werden nachträglich und chronologisch ausgewertet, 3. Anfänger ohne jegliche alte Wertungszahlen werden beim Eintritt in das Chess960 Wertungssystem anhand der Kriterien des Bauerndiploms (800), Springerdiploms (1000), Turmdiploms (1200), Damendiploms (1400) und Königdiploms (1600) von Chess960 autorisierten Meistern und Könnern eingestuft, 4. das mathematisch annähernd genaue Iterationsverfahren für den Erwerb einer ersten Chess960 Ratingzahl, anhand der Leistung in den ersten Partien, sowie Turnieren, wenn die anderen Teilnehmer schon Ratingzahlen haben. Von einer gewissen Basis aus (ca. 10.000 Spieler) sollten für alle gerateten Spieler eineindeutige ID-Karten erstellt werden, die dann von jedem Turnierveranstalter verwendet werden können und mit den neuesten Wertungszahlen aus der zentralen Datenbank upgedatet werden können.

Das Titel- und Normensystem

Die inflationäre Entwicklung der Zahlen des neuen Wertungssystems soll verhindert werden, natürliches Wachstum analog der "Gauss'chen Normalverteilung" aber zulässig sein. Nach einer gewissen Anlaufphase soll in Relation der Gesamtzahl der Teilnehmer am Wertungssystem dann auch die Titel vergeben werden, die möglichst fair und bei normalen Turnieren erworben werden sollen. Bei der Vergabe der stufig aufgebauten Titelvorgaben sollen zwei Kriterien besondere Beachtung finden: 1. die Leistungsfähigkeit des Spielers, dokumentiert durch die Platzierung in der Weltrangliste, "AoA"-Rating basiert, und 2. die Kontinuität der Leistungserbringung über 2 Jahre hinweg in der "AoA" Liste ebenso dokumentiert und leicht zu ermitteln.

Bei der Vergabe der Titel gehen wir von einer Gesamtzahl von ungefähr 100.000 Spieler aus. Das heisst, dass der Chess960 GM (Internationaler Großmeister) mindesten das "AoA"-Rating der Top 100 erreicht haben muss - mit einem Rating von z.B. 2603. Dieses Rating muss er auch im Durchschnitt über zwei Jahre mit aktivem Spiel halten, trotz "Passivitätsfaktor". Erst dann wird ihm der Titel verliehen und nicht wie zur Zeit üblich nach gewisser Normenerfüllung! Bei der Vergabe der Titel unterhalb des GM wird lediglich die Ziffer der zu erreichenden Weltranglistenposition mit der jeweiligen aktuellen Wertungszahl verändert, die Bestätigung über zwei Jahre bleibt jedoch auch dort bestehen. Vorstellbar sind folgende Kriterien beim IM (Internationaler Meister) Top 500, beim RM (Regionaler Meister) Top 2.500 und beim CM (Kandidat Meister) Top 12.500. Die Titel sollen weiterhin auf Lebenszeit erworben werden. Eine wichtige Frage bleibt noch in der Diskussion: "Sollen für Männer und Frauen unterschiedliche Titel-Systeme eingeführt werden?" Erster Kommentar dazu: "Bei anderen geistigen und sportlichen Betätigungsfeldern, wie z.B. bei Hochschulprofessoren wird in der Leistungsanforderung auch nicht unterschieden". Im Übrigen wird beim Reiten, Automobilrennsport, usw. auch nicht differenziert! Es sollte allerdings im Einvernehmen das "Für und Wieder" geklärt werden.

Chess960-Projekte <> WM-Zyklus

Mainz, die Hauptstadt von Rheinland-Pfalz und drittälteste Stadt Deutschlands nach Worms und Trier, gelegen zwischen den Flughäfen Frankfurt Rhein-Main und Frankfurt-Hahn mitten im Rhein-Main Gebiet an der Mündung vom Main in den Rhein, wäre besonders geeignet, in den ersten Jahren der Sitz des nationenfreien und weltweit operierenden Verbandes zu werden. Ein wenig Anrecht darauf könnte schon abgeleitet werden durch die ersten Durchführungen von bedeutenden Chess960 Turnieren und die innovativen vorbereiteten Tätigkeiten der Chess Tigers aus der Rhein-Main-Taunus-Region. Die Tradition der über 2000 Jahre alten einstigen Römerstadt würde auch ausgezeichnet zu dem traditionellen Anspruch des Schachs passen, vereint in der Anforderung das Schach zu bewahren, zu pflegen, weiterzuentwickeln und mit demokratischer und kommerzieller Ausrichtung zu modernisieren. Neben Gutenberg und der Fastnacht wäre ein drittes international attraktives Standbein mit einem begeisterten Oberbürgermeister an der Spitze sicher auch ein Garant für Prosperation und Professionalität. Das Zentrum für Chess960 - in 20 Jahren wird man es nur noch Chess oder Schach nennen - mit Sitz des Weltverbandes WNCA "World New Chess Association" und Durchführung der ers-ten Chess960 Weltmeisterschaften würde in der wirtschaftlich starken und verkehrstech-nisch zentral gelegenen Rhein-Main-Region die besten Voraussetzungen in Europa finden. Da die Anfangsaktivitäten auf der Basis von Schnellschach gemacht wurden, sollte an Hand dieser Disziplin aufgezeigt werden, wie sich ein netzwerkartiges Qualifikationssystem mit fairen demokratischen Chancen für jeden einzelnen Spieler rea-lisieren liesse.

Die WM-Austragungen sollten auf jeden Fall zyklisch im Dreijahres- oder Zweijahres-Rhythmus erfolgen. Der Dreijahresrhythmus würde bedeuten, dass im Jahr 2003 "schnell", 2004 "blitz", 2005 "normal" gespielt wird, danach wiederholt sich der Ablauf dreijährlich. Beim Zweijahres-Rhythmus würden die Disziplinen "schnell" und "blitz" zusammengelegt. Um allen befreundeten und gleichberechtigten Organisatoren von traditionellen und neuen Turnieren einen festen Planungshorizont zu geben, sollten auch die Jahre in einen möglichst festen Rhythmus ablaufen: im ersten Halbjahr sollen die acht 11-13 rundigen, regionalen Qualifikationsopen stattfinden, im August das KO-Kandidatenturnier oder -Openturnier der qualifizierten letzten 64 Kandidaten und im Dezember der WM-Kampf, wo der amtierende Weltmeister auf den Herausforderer triff. Am Entwicklungsanfang soll auch der Qualifikationstourismus bei den Open zugelassen werden, damit die vielleicht regional unterschiedlichen Entwicklungsstände von Chess960 etwas ausgeglichen werden können. Die Regionen könnten folgend beschrieben zusammengestellt werden: A = West-Europa, B = Mittel-Europa, C = Ost-Europa, D = Zentral-Asien, E = Süd-Asien, Australien, Ozeanien, F = Afrika, Mittlerer Osten, G = Nord- & Mittelamerika, H = Süd- und Mittelamerika.

Um den Start des WM-Systems zu beschreiben wurde die Annahme getroffen, dass die Chess960-Turniere der Jahre 2001 und 2002 in Mainz als die ersten Weltmeisterschaftskämpfe und Kandidatenturniere stattgefunden haben. Dies würde bedeuten:

1. Peter Leko ist Chess960 Weltmeister in der Disziplin “schnell”,
2. Peter Swidler ist Gewinner des Kanddaten-Finales 2002 und Herausforderer,
3. der Herausforderer des amtierenden Weltmeisters würde im nächsten Zyklus wie folgt beschrieben in einem 64iger-Finale nach KO- oder Open-System ermittelt
4. wer sind die Qualifizierten für dieses 64er-Finale?
a. die 6 Erstplatzierten der vorhergehenden regionalen Qualifikationsopen
b. die 8 Besten der vierteljährlich erscheinenden Weltrangliste mit Stichtag 1.Januar
c. die 8 Viertelfinalisten des letzten WM-Zyklus, bzw. der enttrohnte Weltmeister.

Die Vorschläge zur Rundenzahl, die an wievielen Turniertagen gespielt werden, bedürfen sicher auch einer genauen Prüfung bei der organisatorischen Realisierung durch die Veranstalter und des damit verbundenen finanziellen Rahmens. Nachfolgend wurden die ersten Vorschläge zusammengefasst:

WM-Stufe Turnierart Zeitfenster R-Zahl/Tage
  Normal Schnell Blitz
Qualifikation (Reg.) Open Mai/Juni 11/6 15/3 19/2
1/32-Finale KO-System August 2/2 4/1 8/1
1/16-Finale KO-System August 2/2 4/1 8/1
1/8-Finale KO-System August 4/4 6/2 12/1
1/4-Finale KO-System August/September 4/4 6/2 12/1
1/2-Finale KO-System August/September 6/6 8/3 16/2
1/1-Finale KO-System August/September 8/8 12/4 20/2
WM-Kampf KO-System Dezember 12/12 16/6 24/3


Durch den jeweiligen Zwei- oder Dreijahres-Zyklus in den einzelnen Disziplinen würde dem Status des Weltmeisters mehr Anerkennung entgegengebracht, indem er das Recht erhält, jeweils nur gegen den Herausforderer antreten zu müssen, dies würde mehr Kontinuität in die Statistik bringen, als das „inflationär“ angesehene System der KO-Weltmeisterschaften, wo der amtierende Weltmeister keine Vorrechte mehr geniesst und bereits von Anfang an mitspielen muss. Allerdings soll bei unentschiedenem Ausgang des WM-Kampfs, die Titelvergabe durch Stechen vergeben werden, bei Gleichstand be-hält nicht der WM automatisch den Titel.

Chess960-Projekte <> Nationale Mannschaftsmeisterschaft

Um den Start einer Chess960 Offensive zu unterstützen und die damit verbundene Verbreiterung des Marktes zu beschleunigen soll ab Mai 2004 die hierarchiefreie Austragung der deutschen Meisterschaft durchgeführt werden. Die Mannschaftsstärke soll vorerst 6 Spieler betragen und pro Mannschaft mindestens 10 und maximal 25 gemeldete Spieler pro Saison zulassen. Es werden Partien mit der Bedenkzeit 60/30 gespielt und jeweils zwei Spiele mit wechselnden Farben an einem Tag ausgetragen, wobei maximal zwei der sechs Spieler in der zweiten Begegnung ausgetauscht werden dürfen. Die ersten deutschen Meisterschaften sollen im KO-System ausgetragen werden und den typischen Doppelspieltag mit Samstag/Sonntag haben, wobei in den Runden bis zum 1/16-Finale dem regionalen Aspekt mehr Rechnung getragen wird, als dem Spielstärkeargument. Dies würde bedeuten, dass an einem Wochenende an einem Spielort von vier Mannschaften eine weiterkommen würde. Mit diesem Qualifikationsmodus würde es dann durch alle Runden gehen bis zum Finale in Mainz, wo die letzten vier Mannschaften im Rahmen der Chess Classic Mainz 2004 den 1. Deutschen Mannschaftsmeister an zwei Spieltagen ermitteln. Spielberechtigt wären alle Mannschaften, die sich aus Vereinen und Klubs, Freizeit- und Hobbyclubs, Firmen, Schulen, Institute, Städte und Regionen, national und international oder gar völlig nichtorganisierten Spielern am Anfang der Saison zusammensetzen würden – wichtigste Voraussetzungen wären die Meldung der mindestens 10 Spieler, maximal 25 Spieler, die Einzahlung von einem Organisationsgeld und Reuegeld, die Verpflichtung mindestens ein Heimspiel mit Zurverfügungstellung eines Spielleiters und eines neutralen Schiedsrichters auszutragen. Obligatorisch ist die Einhaltung der von der Chess960 Zentrale vorgegebenen organisatorischen und spieltechnischen Regeln, besondere Beachtung ist dem Zeitpunkt der Auslosung und der Bedenkzeitregelung beizumessen. Diese Regelungen würden natürlich im Detail rechtzeitig mit Spielterminen vor der Saison bekanntgegeben. Der jetzige Planungshorizont würde folgende Termine in den Sommermonaten als günstig erscheinen lassen:

1. 09.-10.08.2004 (4) Finale und Halbfinale im Rahmen der Chess Classic Mainz
Vergabe von Meistertitel incl. Qualifikation zur Team-WM
2. 07.-08.08.2004 (16) Viertel- und Achtelfinale entweder zentral oder gemäß der
Heimspielarchitektur, Auslosung deutschlandweit
3. 17.-18.07.2004 (64) 1/16 Finale und 1/32-Finale grob regionale Heimspielarchitektur, Auslosung nach Entfernungstableau und Setzliste
4. 19.-20.06.2004 (256) 1/64 Finale und 1/128-Finale regionale Heimspielarchitektur, Auslosung nach Entfernungstableau und Setzliste
5. 15.-16.05.2004 (1024) 1/256 Finale und 1/512-Finale regionale Heimspielarchitektur, Auslosung nach Entfernungstableau und Setzliste
6. 24.-25.04.2004 (4096) Vorqualifikationsrunde mit fein regionalen Strukturen

Mit dieser flachen Organisationsstruktur lassen sich am einfachsten neuartige Prozesse in Gang setzen und geben jeder Mannschaft in ihrem neuen nationalen Chess960 Engagement die gleichen Anfangschancen. Zum Beispiel könnte die Stadt Bad Soden im Taunus mit einer Mannschaft Anand, Ponomarjow, Jussupow, Dautow, Portisch, Lobron, Hort, Reschke, Brendel, Assmann, Niebling, usw. antreten und auf Anhieb deutscher Mannschaftsmeister werden!

Chess960-Projekte <> Simultan an 960 Brettern

Anläßlich der Chess Classic Mainz 2004 wäre ein Wettbewerb in der Rheingoldhalle oder bei schönem Wetter am Rheinufer möglich. Der Demonstrationswettbewerb für Chess960 würde sicherlich einiges an Aufmerksamkeit auf sich ziehen und vielleicht auch den Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde schaffen. Dieser Wettbewerb könnte am freien Tag zwischen den beiden Open stattfinden. Auf der einen Seite 960 schachbegeisterte Kinder, Jugendliche und Erwachsene und auf der anderen Seite 32 Großmeister, die jeweils gegen 30 Gegner antreten würden. Gespielt würden natürlich alle 960 verschiedenen Chess960 Grundstellungen.

Chess960-Projekte <> Technisches Turnier Design

Großen Nutzen würde die Entwicklung eines transaktionsgesicherten, vollautomatisierten Übertragungs-System mit sich bringen, das fast alle manuellen Tätigkeiten bei der Durchführung von Turnieren, besonders der großer Open oder der großen KO-Turniere ersetzen könnte. Um die Rentabilität, bzw. die Wirtschaftlichkeit dieser Entwicklung in den Vor-dergrund zu stellen, müßte sichergestellt sein, dass es ein Minimum an Auftragsvolumen gibt. Die Auslastung des Systems mit dem dazugehörigen professionellen Service durch das Standardbedienungspersonal würde zu hohen Verfügbarkeitswerten während der Realisierung der Turniere führen, die Professionalisierung der Haupt- und Nebenprozesse des Turniers beschleunigen und damit hohe Zufriedenheitswerte bei Veranstaltern und Sponsoren herstellen, als beste Voraussetzung zum Sponsoring. Um einmal eine Kosten-rechnung aufzumachen wurde das Beispiel der Chess Classic Mainz 2002 im Ist/Soll Vergleich für die technische Realisierung inklusive Personalkosten gegenübergestellt. Da die Chess Classic ein einmaliger, jährlich stattfindender Event ist, können zum Beispiel keine Synergieeffekte erzielt werden, die beispielsweise eine Turnierserie von 20 Veranstaltungen pro Jahr bringen würde. Ganz besonders würde die Qualität der Veranstaltung steigen im Bereich der sich ständig wiederholenden Prozesse, bzw. des ständig benötig-ten Know How's. Das würde sich vom Internetauftritt bis zur Turnierdurchführung, von der Pressearbeit bis zur Schiedsrichterleistung, vom Ankündigungsmanagment bis zur Turnierdokumentation und Nachbereitung wie ein roter qualitäts- und quantitätssteigern-der Faden durch die ganze Veranstaltung ziehen – ohne den individuellen Charakter und Zuschnitt des traditionellen oder neuen Events zu verlieren. Nach erster Sichtung der Zahlen liessen sich die Kosten der Chess Classic in der technischen und organisatori-schen Realisierung auf mindestens ein Drittel reduzieren, wenn es 20 gleichgesinnte und zuammenarbeitende Turnierveranstalter gäbe!

Nun ein paar Gedanken zur technischen Durchführung von großen Veranstaltungen ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben:

1. Ein zentraler Server managt alle Daten, sowohl die benötigten (registrierten) Weltverbands-Spielerdaten als auch die entstehenden Daten (Partienotation, Resultate, Wertungssystem, Controlling, Paarungsmanagement und Geldüberweisung.
2. Ein Gateway-Server managt den ganzen Internetauftritt und ein weiterer Gateway-Server managt alle Videowand- und Fernsehauftritte. Alle Partien sind im Saal und im Internet (switchable) zu übertragen.
3. Weitere Server (Vorrechner) managen in Modulgrößen für 128 Openspieler (gleichrangige Kaskadierung) die Brettdaten, geben sie an den Zentralrechner weiter und bekommen sie zur Verteilung wieder zurück.
4. Alle Bretter (Frontends) sind elektronische DGT-Bretter mit digitaler Erfassung der Partiedaten, der Resultate, der logischen Prüfung des Partieverlaufs, der digitalen Spielernamenanzeige und der Verbindung zur elektronischen Uhr. Alle Bretter sind zum Vorrechner über Funk (wireless) verbunden, die komplette Vernetzung entfällt.
5. Ein Check-in-Automat (wie bei der Flugbuchung) steht zur Verfügung und ersetzt die manuelle Erfassung. Die meisten Teilnehmer bringen einfach ihre ID-Karte mit.
Der Ablauf des Turniers könnte in der Zukunft wie folgt ablaufen: Der Spieler meldet sich über Internet und/oder vor Ort mit seiner Verbands-ID an, gibt seinem Spiel-Wunsch ein (z. B. Open A, B oder C, Kontonummer und Bankleitzahl) und sagt o.k. Jetzt muß er nur noch an der Boarding-Anzeige seine Tischnummer ablesen und an seinem Brett die elektronische angezeigten Namen auf Richtigkeit überprüfen und schon gehts los. Der elektronische Schiedsrichter setzt gleichzeitig an allen Brettern die Uhren in Gang und die erste Runde kann beginnen. Nach dem Spiel müssen die Spieler das Resultat 1:0, 0:1 oder ½ eingeben und beide müssen bestätigen. In Minutenschnelle wird die Auslosung der nächsten Runde durchgeführt und an der Boarding-Anzeige sowie den einzelnen Brettern angezeigt. Nach der letzten Runde wird das Resultat bekannt gegeben und die Geldpreise auf die jeweiligen Konten der Sieger überwiesen – somit könnten sogar die langweiligen Siegerehrungen entfallen und jeder den "Tatort" eiligst verlassen, sofern es sich nicht um Ehrungen mit Jacketts, Urkunden, Pokale oder Sachpreise handelt.

Zusammenfassung und Resümee

Vollkommene und perfekte Systeme gibt es nicht, weder organisatorisch noch technisch. Selbst die Schöpfung der Erde mit der Krönung Mensch oder gar des uns nur teilweise bekannten Universums mit all ihren Wesen erscheint nicht immer vollkommen organi-siert, wie sollten wir da mit unserem Schachspiel und seiner Entwicklung, bzw. den ganzen Begleitumstände zufrieden sein? Wichtig erscheinen die einfachen Sätze: "Ge-winnen fängt an mit Beginnen", “Und sie bewegt sich doch”, “Niemals wird es Seinesgleichen geben”, “Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit”, “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben ...”, “Nichts ist stetiger als die Veränderung” und viele mehr. Wenn wir also festhalten an dem was uns lieb und teuer ist, dürfen wir nicht ver-gessen, dass auch die Veränderung des Schachspiels etwas Natürliches ist und wir dürfen keinesfalls den Schachpersönlichkeiten nachgeben, die sich aus Bequemlichkeit oder gar Überzeugung nicht mehr verändern wollen. Alles mit Augenmass und Ziel, alles zu seiner Zeit und alles im freien Spiel der Kräfte: “The show must go on”. Und so sollten wir dem zarten Pflänzchen Chess960 und seiner Umgebung einfach eine faire Chance geben sich zu entwickeln – vielleicht kann ja der ein oder andere auch mal ein bisschen Wasser oder Dünger dazugeben, aber auch wiederum nicht zu viel, wenn die natürlichen Bege-benheiten in Ordnung sind. Zum Schluß die einfach verständlichen Thesen:
1. Die Chess960 Zukunft hat begonnen
2. Eine Normalpartie soll 2-3 Stunden dauern
3. Keine Macht dem Weltmeister
4. Der Zuschauer ist Kunde
5. Netzwerke statt Hierarchien
6. Vielfalt statt Einfalt
7. Schach ist auch Entertainment
8. Das Spiel braucht Organisationskultur

Chess Classic Mainz 2003

Die Chess Classic Mainz 2003 findet vom 13.-17.August in der Mainzer Rheingoldhalle statt. Mit den Duellen Viswanathan Anand gegen Judit Polgar im normalen Schnellschach und mit dem WM-Kampf Peter Leko gegen Peter Swidler im Chess960 Schnellschach wird in den Abendstunden sicher für Spannung gesorgt sein und die Teilnehmer der Open können sich selbst ein Urteil bilden, wie denn die Partien auf jeden einzelnen Zuschauer wirken, wenn sie auf der Bühne parallel gespielt werden. Bei den beiden Open in den Mittags- und Nachmittagsstunden mit einem Preisfonds von 33.333 € bei insgesamt 158 Preisen gibt es sicher für jeden Teilnehmer die attraktive Gelegenheit, das neue Schach auch mal selbst auszuprobieren. Das Chess960 Open findet am 14.-15. August und das ORDIX Open am 16.-17.August. Ein fundiertes Urteil sich durch praktische Erfahrung mit dieser Spielweise zu bilden ist sicher auch ein spannendes Erlebnis. "Chess960 ist wie eine Stadt zu erkunden ohne Stadtplan" sagt Vishy Anand. Wer Chess960 in einem Simultan mit den beiden Chess960 Protagonisten Peter Leko oder Peter Swidler versuchen möchte, - die ersten Simultans dieser Art - also eine Weltpremiere, hat am 13.August um 16:30 Uhr nach der eröffnenden Pressekonferenz die Gelegenheit. Zehn der je 20 Simultanplätze werden auf unserer Homepage www.chesstigers.de verlost. Für Fragen und Anregungen zu obenstehendem Artikel und zu der Chess Classic Mainz 2003 stehe ich unter folgenden Adressen sehr gerne zur Verfügung: Frankfurt Chess Tigers Schach-Förderverein 1999 e.V. (FCT) Hans-Walter Schmitt, Alte Ziegelei 5, D-65812 Bad Soden am Taunus, Fon & Fax: 06196-22726, E-Mail: hans-walter.schmitt@t-online.de. Wir informieren Sie auch sehr gerne über die FCT Geschäftsbereiche Top-Turniere und Chess960, sowie über die im Aufbau befindlichen Bereiche Universität und Entertainment.

| Artikel und Grussworte |