Tag 1
Partie 1
18:30h Starke Züge als Vorbereitung scheint Ruslan Ponomarjow
beim Duell der Weltmeister in petto zu haben. Frau Ljubow
Jarmilko, Ehefrau des ukrainischen Generalkonsuls in Frankfurt,
eröffnet die Partie für ihren Landsmann mit dem Königsbauern.
Die weiteren 13 Züge in seinem Match gegen Anand rasselt der
Weltmeister a tempo herunter. Und der Titelverteidiger der Chess Classic
verfällt in tiefes Nachdenken .... .
19:40h Essieht nach einem Sieg von Ruslan Ponomarjow aus. Der FIDE-Champion
entwickelt einen starken Angriff. Sein Sekundant Victor Bologan
bemerkt: "Die Stellung hatte Ruslan schon zweimal und gewann
jeweils." Der weiße Plan nach der Eröffnung sei einfach:
Den Bauern schiebt man von a2-a4-a5 und tauscht auf b6, dannach hat
Weiß schönes Spiel. Pocket Fritz bewertet die Position
phasenweise mit +2 für den amtierenden Weltmeister.
19:50h Remis! Im 34. Zug verpasst Ponomariow einen Auftaktsieg.
Anstatt 34. Tb1 hätte Ta8+ Lb8 35. Tb1 Kc7 36. Kf1 entscheidenden
Vorteil versprochen. Bei Tb1 übersieht der Ukrainer wohl die
Verteidigungsidee mit Td8 und einem drohenden Grundlinienmatt. Dadurch
kann Anand seinen Läufer auf a5 verteidigen. Kurz danach wird
der Punkt geteilt.
Arthur Jussupow: "Ponomariov stand auf Gewinn. Wahrscheinlich
muss man einfach Fritz7 einschalten, um den Gewinnweg zu finden. Allerdings
hatte Ponomariov diesen Trick nicht und verbrauchte viel Zeit. Anand
verteidigte sich genial."
Partie 2
20:20h Vladimir Chuchelov kommt gerade aus dem belgischen Eupen
um morgen im ORDIX Open zu starten. Die Position nach 25 Zügen
auf dem Brett der Weltmeister hält der Großmeister noch
ausreichend interessant für einen großen Kampf. "Nach
28. - f5 hat Weiss gewisse Angriffmöglichkeiten mit Dg5, aber
ein klarer Weg zum Gewinn ist nicht in Sicht. Der König scheint
bequem zu entkommen. Es blebt unklar und spannend."
20:45h Fabian Döttling zum Duell der Weltmeister: "34.
- Th8 habe ich nicht ganz verstanden. Ich hätte eher Te2 gezogen.
35. De2: f4. Ponomariov steht aber auch so besser, denke ich. Schwarz
hat mehr Zeit, Anand muß ums Remis kämpfen. Dennoch drücke
ich meinem Mannschaftskameraden Vishy die Daumen.
20:55h Remis im zweiten Duell der Weltmeister.
21:10h Mit einem Spaziergang mit seiner Frau am Rheinufer erholt sich
Vishy Anand vor seiner 3. Partie.
Partie 3
21:30h Ketino Kachiani-Gersinska hat sich die 3. Partie des
Weltmeisterduelles angeguckt. Ihre Kommentare: "Nach 19. Te8
hat Schwarz Nachteile in der Bauernstruktur. Dafür sind alle
seine Figuren in guter Position. Der Lb3 von Weiß hingegen ist
eingesperrt durch den Bauern d5. Der Sg5 von Schwarz hat Möglichkeiten
nach f4 und e5 zu gehen und mit seinem Opfer vielleicht die g-Linie
für Angriff zu opfern. Der Plan ist Kh8 und Tg8. Auf den Bauern
f5 muß Schwarz aber gut aufpassen. Mit 20. f4 versucht Weiß
den wichtigen Punkt e5 wegzunehmen und f5 zu blockieren. Das läßt
Schwarz nicht zu. Mit 27. b4 öffnet Schwarz die Diagonale für
seinen Läufer g7. Der Lg7 ist einfach die bessere Figur als der
Lb3. Nach 29. De2 und einem Damentausch auf De2 hätte Weiß
nach 30. Ke2: Lb2: und 31. Sb4 einen starken Freibauern auf a2. Mit
30. - Se5 versucht Schwarz dem Tausch Lg6 zu entgehen. Ich tippe nach
f3 auf ein Remis."
21:45h Ponomariov gewinnt im 44. Zug.
22.15h Artur Jussupow zieht sein Resüme: Anands Plan mit
a5 war zu langsam Nach Sc6 stand Weiß besser. Hier muß
man meine Erachtens aktiveres Spiel suchen. Die Dame auf Dd7 stand
nicht gut. Die hätte man aktiver ins Spiel bringen sollen.


Der Weltmeister bei der Pressekonferenz: "Noch
ist das Match nicht gewonnen. Es wird ein schwerer Tag morgen. Ich
habe zweimal Schwarz und drei Partien am Tag zu spielen ist hart."
Tag 2
Partie 4
19:00h Hohe Zeit für die Duelle: Oberbürgermeister Jens
Beutel sitzt bei uns im Presseraum und verfolgt die Bilder. Wir
befragen ihn nach seinen Prognosen zum Ausgang der Wettkämpfe.
"Prognosen sind immer schwierig," lächelt der Mainzer.
"Das Duell der Weltmeister ist völlig offen. Anand ging
ja als Favorit ins Match, doch mit dem starken Spiel von Ponomarjow
gestern hat der Ukrainer gezeigt, dass er ein ebenbürtiger Gegner
ist. Hier wage ich keine Prognose."

19:40h Als "scharfes Zeug" wird die Stellung zwischen den
Weltmeistern hier im Pressezentrum gehandelt.
19:55h Vishy Anand gewinnt und gleicht das Match aus.
Partie 5
20:45h "Das Qualitätsopfer gefällt mir gut. Das
bringt Leben rein", meint Otto Borik zu Anand Partie.
Er und Fabian Döttling suchen schwarzen Chancen auf den schwarzen
Feldern für den Springer und den Läufer nach 25. ... e4.
20:50h " Anand wird nach dem Läufertausch auf d4 nun wohl
Sa4 folgen lassen, um nach c3 zu gelangen oder er wird den Turm auf
die c-Line bringen und nach Sb6 den Bauern auf c4 unter Feuer zu nehmen,"
meint Fabian Döttling.
21:05h Anand und Ponomariov trennen sich Remis. Bogdan Lalic
hätte statt 27. Te2 lieber 27. c3 gesehen. "Das ist schneller.
Falls dann der Springer über c5 auf d3 gelangt, tauscht Weiß
die Qualität zurück und steht gut. Weiß hatte bei
Te2 Angst vor Lf2. Vielleicht war Ponomariovs 40. Kd4 nicht genau.
Schwarz kann auf c2 tauschen und Tb1 spielen. Ich finde die schwarze
Stellung dann besser. Aber die Stellung ist nicht einfach."
Partie 6
22:05h Vishy Anand denkt lange über seinen 24. Dd2 nach. "Die
Bauernstruktur ist hier besser für Weiß. Doch der Lc2 hat
wenig Perspektiven. Wenn Schwarz zu De7 und f6 kommt, steht Schwarz
gut. 24. Le5 wäre vielleicht überdenkenswert." meint
Victor Bologan.
22:20h Im Duell der Weltmeister muss sich Anand seiner Haut erwehren.
Über die a-Linie drohen Ponomarjows Schwerfiguren einzudringen.
22:30h Mit 35. Bde5: nimmt Ponomarjow mit dem d-Bauern wieder. Schwarz
will das Feld d6 für seinen König nutzen, um den b-Bauern
zu unterstützen. Remis.
Pressekonferenz nach dem zweiten Spieltag: Anand
sagt, daß er glücklich mit dem Ergebnis der vierten Partie
war: "So wurde die Entscheidung auf morgen vertagt." "In
der 5. Partie fürchtete ich, dass es nach dem Bauernzug a3 Probleme
gibt. Ich war mit dem Remis sehr zufrieden. In der 6. Partie stand
ich vielleicht minimal besser. Aber durch den vorgerückten Bauer
war die Stellung unklar." kommentiert der Weltmeister Ruslan
Ponomarjow
.
Tag 3
Partie 7
18:40h Das Duell startet in die letzten Runden.
18:50h Dimitri Komarov, Trainer im Pomomariov Team ist zufrieden.
Beide Spieler folgen der Partie Leko - Topalov, Dortmund. Beide spielen
schnell. Doch hoffentlich nicht zu schnell: "Gestern spielte
Ruslan zu schnell und zu ungenau. Für heute haben wir ihm geraten
langsamer zu spielen und sich nicht von Anand Tempo anstecken zu lassen."
19:15h Komarov fürchtet ein Remis für Ponomarjow. Kf3 Kh8
sieht er einen leichten Vorteil für den Weltmeister, "mit
g4 hat Weiß Spiel ohne großes Risiko." Aber auch
keine großen Gewinnaussichten. "Vielleicht kann Schwarz
dann die h-Linie nutzen."
19:40h Die Partie endet Remis.
Partie 8
20:15h Fabian Döttling: "In der Abtauschvarainte
des angenommenen Damengambits ist nach dem 16. Zug noch nicht viel
los. Weiß hat leichten Vorteil, Schwarz darf nicht nachlässig
spielen, aber dann ist bei der symetrischen Bauernstellung die Remisbreite
hoch."
20:20h "Die gleiche Stellung wie bei Anand - Ivanschuk in Moskau"
Dimitri Komarov strahlt vielsagend über das ganze Gesicht.
(Anand - Ponomarjow nach 16. Sdf3.)
20:40 Ein Raunen geht durch den Raum. Während selbst starke Großmeister
die Stellung im Duell der Weltmeister nach dem 24. Zug ruhig bezeichen,
überrascht Ex-Weltmeister Vishy Anand mit einem doppelten Springeropfer.
"Stark gespielt", zollt Chess960-Gewinner Peter Swidler
Anand hohes Lob. Ponomarjow lehnt den 2. Springer ab.
20:50h Nimmt Ponomarjow im 34. Zug auf b3 würde e5 oder Lc4 den
tödlichen Stoß versetzen. Anand steht auf Gewinn und damit
vor einem Sieg des Matches. Ponomarjows Springer muß sich gleich
vier Bauern erwehren.
21:00h Minutenlanger Applaus im Saal. Anand gewinnt die 8.
und entscheidende Partie. In der letzten Partie nutzt der Inder und
Träger des schwarzen Jackets die Chance auf einen knappen 4,5-3,5
Sieg.
In der Pressekonferenz waren Anand und Ponomariow
sich einig: "Es war ein interessantes Match." Der Inder
hält das Niveau für deutlich höher als im letzten Jahr,
als er und Wladimir Kramnik "ständig patzten". Den
brillanten Sieg in der achten Partie hält der Weltranglistendritte
für nicht viel besser als seinen Erfolg zum 2:2 im vierten Duell.
Ponomarjow bedauerte den Verlust nicht zu sehr. Anand habe verdient
gewonnen, denn auch in der fünften Partie habe er schlecht gestanden.
"Vishy verteidigte besser als ich - das fehlte mir." Beim
Match Russland gegen den Rest der Welt überlässt der FIDE-Weltmeister
gerne dem Inder das erste Brett. Mit dem "starken Team"
müsse die Welt die Russen schlagen, befindet der Ukrainer. Deutschland
hat ihm gut gefallen. "Schade, dass ich das Match nicht gewonnen
habe, dann könnte ich wieder kommen. Doch in Deutschland gibt
es wenig starke Turniere."