Sechs Großmeister mit weißer WesteOrdix-Open erneut Sammelstätte der TitelträgerVon Harald Fietz Der Name "Ordix" steht in Schachkreisen als Synonym für Schnellschach bei den Chess Classic. Gleich ob Titelträger oder Amateur, die Rheingoldhalle in Mainz ist auch im Hochsommer klimatisierter Wallfahrtsort für Schnellschachfans. Hier tanzen die Figuren, hier trifft man Freunde und lauscht am Abend über Kopfhörer den detailreichen Analysen deutscher Großmeister über die Kapriolen der Weltklasse-Duelle auf der Bühne. Schach pur - fast rund um die Uhr.
Stammgast Peter Swidler führt die Teilnehmerliste mit 2690 Elo an. Wer seine Laune an den ersten beiden CCM-Tagen erlebte, der rechnete ihn auch heuer zum Kreise der Siegkandidaten. Gerade Vater von Zwillingen geworden, hat er mit seinem Alleinsieg beim Chess960 die Familienkasse bereits um 1.500 Euro aufgebessert. Kombi-Wertung und Open-Preis wollen noch errungen sein, doch hier haben viele was dagegen. Zunächst riss die Serie des St. Peterburgers aber noch nicht. Mit vier Siegen gelang sein zehnter Schnellschachsieg in Folge, nachdem er am Vortag mit 6/6 seine hundertprozentige Tagesbilanz vom Ordix-Open 2000 erreichte. Im letzten Aufeinandertreffen auf der Bühne "klaute" allerdings Igor Glek den vollen Punkt. Der in Essen beheimatete russische Großmeister hievte sich damit mit fünf weiteren Großmeister-Kollegen an die Spitze: Viorel Bologan, Rustem Dautov, Jewgeni Agrest, Wladimir Chuchelow und Normunds Miezis werden am Abschlusstag ihre weiße Weste verteidigen müssen. Zehn Spieler liegen mit einem halben Punkt in Lauerstellung: Neben den IM Fabian Dötting und Juri Boidman drängt sich die Großmeisterriege. Die Namen Wladimir Epischin, Alexander Motilev, Pawel Tregubow, Daniel Fridman, Joe Gallagher, Klaus Bischoff, Henrik Teske und Gerald Hertneck zeigen, dass hier die im sowjetisch-russischen System ausgebildete Schachcracks die deutsche Konkurrenz beachten müssen. Überraschungen ereigneten sich am ersten Tag kaum. In Runde eins erwischte es Großmeister Kiril Georgiew aus Bulgarien, der dem titellosen Marc Klünger von der Schachgemeinschaft Brinkum (DWZ 2124) unterlag. Im nächsten Durchgang verzockte der deutsche Spitzenspieler Alexander Graf von der SG Porz ein Remisbauern-Endspiel gegen Jörn Bade (Elo 2267) vom SC Forchheim. Vadim Milov, ein weiterer Dauergast der Chess Classic, musste sich FIDE-Meister Boris Gruzmann von der SV Kali Wolmirstedt beugen, während der Herausgeber der schachkulturellen Vierteljahreszeitschrift KARL, Harry Schaak, den Punkt mit dem kasachischen Großmeister Murtas Kaschagalejew teilte. Einige prominente Opfer klagten in Runde drei: Georg Meier von der SC Trier-Süd schlug Thomas Pähtz, den Vater der "Grazie", und auch die Weltklassespieler Rafael Waganjan (gegen Igor Solomunovic), Michail Krasenkow (gegen Juri Boidman) und Krishnan Sasikiran (gegen Gerlef Meins) hatten das Nachsehen. Ob es wohl am zweiten Tag mehr Favoritenstürze geben wird? |